Meine Sicht: die Amis

22 09 2010

„Wie behandeln dich die Leute, was denken sie über Deutschland etc.“, wurde ich über Twitter gefragt.
Nun, das was ich nach 1 1/2 Wochen als Zwischenresumée ziehen kann, ist überwiegend positiv!

Die Leute in den Hotels, Restaurants und Supermärkten sind alle durchweg freundlich und sehr, sehr aufmerksam und zuvorkommend. „Müssen sie ja auch, ist ja schließlich der Dienstleistungssektor!“, könnte man jetzt einwenden. Richtig. Aber ich würde mir wünschen, das auch für Deutschland behaupten zu können. Es mag eine oberflächliche Freundlichkeit sein, die reicht mir an dieser Stelle aber vollkommen aus.

Dann hatten wir die Situation, dass wir das erste Mal tanken mussten. Grob erklärt, funktioniert das so:
An der Zapfsäule wählt man aus, dass man mit Karte zahlen möchte (Cash ginge auch), dann zieht man die Karte durch, nimmt den Zapfhahn in die Hand, wählt die Benzinsorte und tankt.
Unsere Zapfsäule wollte aber partout nichts auf dem Display anzeigen. An der Säule nebenan tankte gerade eine Frau, die ich dann ansprach. Die hat uns superfreundlich erklärt, wie das funktioniert, stellte dann aber fest, dass die Säule außer Betrieb ist. Sehr freundlich war sie dabei!

Dann wurde ich in der ersten Woche bestimmt fünf Mal auf meine Kamera angesprochen. Einmal bei Starbucks von einem alten Ehepaar. Als sie mich fragten, woher ich komme, erzählte mir die Frau anschliessend, dass ihre Grossmutter auch Deutsche und vor vielen Jahren nach Amerika gekommen ist und sie mittlerweile nicht mehr die Müllers sondern die Millers sind. Mit diesen blöden Umlauten kann man in Amerika ja auch nichts werden, langfristig gesehen. 😉
Wir haben dann noch ein wenig über Fussball und die Landschaft in Deutschland gesprochen. Bevor wir wieder los sind, haben sie uns noch ein paar Tipps gegeben, was wir uns unbedingt ansehen müssen. Netter Smalltalk!

Am Strand von Pismo Beach habe ich vorm Meer ein Foto von Mone, Dani und Christoph gemacht. Spontan hat eine vorbeikommende Joggerin Halt gemacht und mir angeboten, ein Foto von uns allen zu machen. Sie war begeistert von der Kamera und von meinem Sigma Weitwinkelobjektiv und wir plauderten noch ein wenig übers Fotografieren.

In San Francisco waren wir am Union Square, einem parkähnlichen Platz mitten im Herzen der Stadt. Dort spielten ein hell- und ein dunkelhäutiger Mann (musste jetzt echt überlegen, wie man das politisch korrekt ausdrückt) und spielten gemeinsam Schach. Ich wurde angesprochen, ob ich auch eine Runde spielen möchte. Als sie mir sagten, dass sie jeden Tag dort sitzen und spielen, lehnte ich dankend ab. Wollte sie nicht langweilen und mich nicht blamieren. Wir haben dann ein wenig darüber geplaudert, wo ich herkomme, wie unsere Reiseroute aussieht, dass sie auch schonmal in Deutschland waren und es ihnen sehr gut dort gefallen hat. Auch sie gaben mir zum Abschied noch ein paar Tipps mit auf den Weg, was wir uns unbedingt angucken sollten.

Dann gibt es aber auch immer mal die klassische Situation, wo man von der Vergangenheit eingeholt wird. Ihr wisst, was ich meine…
Der Kassierer im Wal-Mart, geschätzte 55 Jahre alt, wollte uns mit Hitler-Witzen bespassen, als er merkte, dass wir aus Deutschland gekommen. Eine eher peinliche Situation, was ihm dann auch von alleine klar wurde.Ähnliches habe ich vor rund 15 Jahren an einer Tankstelle in Miami erlebt. Dort riss der Tankwart seinen Arm in die Höhe, um dann lauthals per Nazi-Gruss „Heil…“ einen Salut auszusprechen. Toll… 😦

In den Großstädten wie San Francisco und Los Angeles gibt es ziemlich viele Obdachlose, die einen aktiver als in Deutschland anbetteln. Wenn man sie ignoriert, dann wird einem auch schonmal hinterhergespuckt oder man bekommt noch ein paar Schimpfworte an den Kopf geballert.

Ein weiterer Punkt, der mir positiv auffällt, ist die ruhige Fahrweise der Amerikaner. Hier drängelt keiner und man wird auch gerne vorgelassen, wenn man mal verpennt hat, sich rechtzeitig in die richtige Spur einzuordnen. In Deutschland ist die Fahrweise deutlich aggressiver und man pocht viel mehr auf sein Recht.

Mein Gesamteindruck ist, dass die Amerikaner viel entspannter durchs Leben gehen. Für uns Deutsche macht das dann vielleicht den Anschein von Gleichgültigkeit und Ignoranz, die wir mit den Amerikanern gemeinhin assoziieren.

Das ist mein Eindruck, den ich in den vergangenen 1 1/2 Wochen bekommen habe. Auch der wird wohl sehr oberflächlich sein, denn wirklich tiefgründig kann man nach der knappen Zeit nicht urteilen.

Zusammengefasst würde ich mir aber wünschen, dass wir Deutschen ein Stück unserer Verbissenheit ablegen und gegen mehr Offenheit eintauschen würden.

Seid ihr schon mal in den USA gewesen? Wie war euer Eindruck und eure Erfahrung mit den Leuten hier? Wie denkt ihr? Über einen Kommentar würde ich mich freuen.

Cheers,
Mitchy.

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4 responses

22 09 2010
itodito

Wenn eine geübte Joggerin sich anbietet ein Foto mit deiner teuren Kamera zu schiessen, wäre ich sicher seeeehr vorsichtig. Folgendes Szenario:

„Noch ein Stück zurück, Ihr vier…noch ein Stück….Ihr seid noch zu nah…noch 5 Meter….“

und dann *********** <–Platz für Phantasie

Freu mich auf Deine nächsten Berichte ! Ist meine Lektüre jeden morgen !

22 09 2010
Mitchy79

Och, da bin ich nicht so. Sollte sie wirklich damit durchbrennen, dann werd ich die schon irgendwann und irgendwie einholen. Bestimmt. Wahrscheinlich. Hoffentlich…
Ausserdem sah die viel zu gut aus, um kriminell zu sein. Oder ist das jetzt zu naiv gedacht? 😉

Freut mich, dass unser Blog fester Bestandteil Deiner Morgenlektüre(n) geworden ist!

22 09 2010
Darth

Moin, Weltenbummler!

Ich sitze gerade im Hotel und habe nochmal die Fragen für die gleich folgende MS Prüfung durchgebüffelt und mich als Belohnung an Eurem Reiseblog erfreut.

Da ich noch nie in US war (leider, wie ich mittlerweile denke!) bin ich durch und durch vorurteilsgeprägt. Der fette, gleichgültige, polternde Ami dominiert mein denken von der neuen Welt.

Naja, so schlimm ist’s dann nicht, aber im Hinterkopf sitzt schon ein Männchen, das die oben genannten Punkte leise flüstert 😉

Ich kann aus eigener Erfahrung nur von den Australiern reden, die ich letztes Jahr besuchen durfte. Was die Gelaseenheit und Fahrweise angeht scheint die Situation durchaus vergleichbar zu sein.
Ebenso ist der gemeine Australier ein Ausbund an Freundlichkeit. Jeder 2. dort war schonmal in D, kennt einen der in D war, hatte D in der Schule oder sogar Verwandte dort.

Allein Obdachlose sind dort ein relativ geringes Problem. Sehr niedrige
Arbeitslosigkeit, rigerose Einreisebestimmungen sowie die Lage am A**** der Welt sorgen für einen prosperen Gesamteindruck.

Das Thema Aborigines verfolgt die Aussis dann allerdings genauso wie das Thema Indianer die Amis verfolgen dürfte – was habt Ihr da für Erfahrungen machen können?

Zusammenfassend kann man sagen, dass ich dürch Eure Reiseberichte und Fotos einen Abstecher in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ernsthaft erwäge.

Vielen Dank für Euro gute (Foto)Recherche und Dokumentation.

Keep on rockin‘

22 09 2010
Michael

Es tut mir leid dir sagen zu müssen, dass es sehr schwer sein wird „back home“. Die Offenheit und dein damit verbundener Wunsch es auf die Heimat übertragen zu können wird wohl nicht erfüllt werden.
Also bereitet euch schon mal auf schwierige Wochen der Wiedereingliederung ein. Davor aber viel Spaß in LAS VEGAS!!!

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